Banditin Wynna

Name: Wynna Frydmen d´Erley
Alter: 22
Größe: 1,74m
Augen: Grünblau
Haare: Kastanienbraun, lockig, zu einem lockeren Zopf gefasst
Allgemeine Erscheinung: Schmal, sehnig. Die Arme und Schultern sind an leichtere körperliche Arbeit in der Taverne angepasst.

Urteil: Untreue gegenüber dem Verlobten, Untreue gegenüber der Familie, Mord an einem Adeligen

Kleidung: Einfaches Hemd, außerdem eine Schürferhose aus Wollwalk mit Lederkappen an den Knien
Bewaffnung: Ein einfacher, gerader Wanderstock und ein zweischneidiges Kurzschwert
Sonstiges: Ein Arbeitsmesser

Adelsreigen

"Es ist mir eine Ehre, Eure Bekanntschaft zu machen, Lord Raygar." Brav macht Wynna, die älteste Tochter des Hauses, vor ihrem neuen Verlobten einen geübten Knicks. Ihr Großvater hatte ein großes Fest anlässlich der doppelten Verlobung von ihr und ihrer kleinen Schwester mit den Söhnen eines benachbarten, wenn auch nicht ganz befreundeten Adelshauses veranstaltet - denn nach der Nachricht vom Tod ihres Vaters, niedergeschlagen auf irgendeinem Schlachtfeld von irgendeiner Orkwaffe und angesichts des fortgeschrittenen Alters ihres Großvaters pressiert nun der Druck nach Erben. Sie spürt die Blicke ihrer Familie auf sich, als sie nun zum ersten Mal mit ihrem Verlobten spricht. Eine fette, hässliche Kröte, zu ungelenk, um sich gegen einen Ork zur Wehr setzen zu können, und zu reich und aus zu gutem Hause, um überhaupt in den Krieg zu ziehen. Doch es gilt, gute Miene zum bösen Spiel zu machen. Adel verpflichtet.
Während ihr Verlobter ihr die üblichen Komplimente über ihre Schönheit macht, wandert Wynnas Blick durch den Raum. Zu ihrer Schwester, der der Ekel deutlich ins Gesicht geschrieben steht. Zu ihrer Mutter, die ihre Töchter zu gleichen Teilen mit Stolz und mit Sorge betrachtet, und zu ihrem Großvater, der ebenfalls nicht besonders begeistert, aber zumindest erleichtert wirkt. Und schließlich zum Hausritter Lorgan. Hinter seinem Helmvisier kann sie es nicht erkennen, doch sie weiß, dass sein Blick voller Hass auf ihrem Verlobten liegt, und voller Eifersucht. Dass es dafür keinen Grund gibt - sie wird mit ihrem Verlobten niemals das Gleiche teilen wie mit Lorgan - wird sie ihm heute Nacht nach der Feier versichern.

Blut. Wie schnell das Alles geschehen ist! Wynna kann es kaum glauben, wie sie vor der Leiche Raygars steht... Sie und Lorgan hätten vorsichtiger sein sollen, besser aufpassen. Doch die Vorwürfe nützen nichts im Nachhinein. Raygar hat sie gesehen, wie sie sich im Garten trafen, einen Kuss tauschten. Nicht mehr, doch genug, um den Ritter hinrichten zu lassen. Zu schnell mussten sie handeln, durften den Mann nicht davonkommen lassen. So liegt er auf dem Weg, mit aufgeschlitzter Kehle, in einer Pfütze seines eigenen Blutes. Doch was Wynna am meisten überrascht, ist der Zierdolch in ihrer Hand. Nicht Lorgan hat das getan. Sie, die nie geglaubt hätte, dazu fähig zu sein... und es immer noch nicht glauben kann. Sie hört Lorgans Stimme, doch versteht sie nicht, was er zu ihr sagt, blickt noch immer voller Entsetzen auf den blutig grinsenden Hals des glucksenden Mannes auf dem Boden, auf den Zierdolch in ihrer Hand. Doch als sie endlich aufsieht, stehen ihre Schwester und ihr eigener Angetrauter am Tor zum Garten. Lorgan nickt nur, zieht sein Schwert und stellt sich zwischen sie. "Lauf!", knurrt er noch zu Wynna. Und sie gehorcht.
Sie läuft. Läuft nach Süden, so schnell sie laufen kann. Doch die Verfolger kommen näher. Keine Chance. Wynna bleibt stehen, fällt auf die Knie, schließt die Augen. Erwartet den tödlichen Stoß einer Lanze, als sie das Hufgetrappel näherkommen hört. Doch der bleibt aus.
"Wynna Frydmen d´Erley. Ihr seid verhaftet wegen des Mordes an Lord Raygar."

Als sie in Ketten vor der sagenumwobenen magischen Kuppel auf der Sträflingsinsel steht, wandern ihre Gedanken noch einmal zurück. Zurück zu Lorgans Hinrichtung, zu ihrer eigenen Gerichtsverhandlung, in der ihr Großvater dazu gezwungen war, sich von ihr loszusagen, und dennoch wie ein Löwe dafür gekämpft hat, dass sie nicht das Richtschwert treffen muss. Gekämpft. Und gewonnen. Nun steht sie hier.
"Bereit?", fragt der wachhabende Soldat kurz, als er ihr die Hand auf die Schulter legt und zur Abwurfstelle führt. Als hätte diese Frage je jemand mit "Ja" beantwortet. Dann ein Stoß. Hinein in eine neue Welt.